Die Geschichte der Elektromobilität- vom E-Dreirad über das E-Auto zum Elektro Motorroller

 

Auf- und Abstieg
1881 - 1938

 

Das erste ‚offiziell’ anerkannte Elektrofahrzeug war 1881 ein Dreirad von M. Gustave Trouvé in Paris, mit einem wiederaufladbaren Blei-Akkumulator erreichte es Geschwindigkeiten bis zu 12 km/h.

1882 bauten zwei englische Professoren, William Edward Ayrton und John Perry, das zweite ebenfalls dreirädrige Fahrzeug Elektroauto: Reichweite bis zu 40 km, Höchstgeschwindigkeit ca. 14 km/h.

1882 soll auch durch Berlin ein erstes Elektroauto gefahren sein, das sich äußerlich allerdings sehr von den amerikanischen Modellen unterschied.

 

Über 20 – 30 Jahre existierten nebeneinander: Dampf-, Elektro- und Verbrennungsantriebe. Elektrisch betriebene Fahrzeuge vom Kleinstwagen bis zu Bussen fuhren in unglaublich vielen Variationen. In dieser Zeit hätten die Weichen für E-Mobilität gestellt werden können.

 

1900 produzierten in den USA ca. 75 Fabriken jährlich 4.192 Automobile: 1.688 Dampfautomobile, 1.575 Elektrofahrzeuge und 929 Benzinfahrzeuge.

 

Die Firma von Charles Jeantaud aus Paris soll zur Jahrhundertwende (1893 bis 1906) die besten französischen Elektroautos hergestellt haben. Einer dieser Wagen setzte im Dezember 1898 einen Geschwindigkeitsrekord mit 37,7 km/h und erneut 1899 mit 42 km/h.

 

Die Mehrheit der hergestellten Fahrzeuge waren Taxis. Auch die Berliner Feuerwehr (Feuerwache Urban) fuhr mit Elektroantrieb.

Dann begann der Elektroautomarkt zu schrumpfen.
Bereits 1905 betrug der Anteil an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren 86%.

 

1912 ist in den USA mit fast 40.000 Elektrofahrzeugen der Höhepunkt erreicht.

Als Hauptnachteile der Elektroautos dieser Zeit galten die Batterien, die man prinzipiell an jeder Steckdose laden konnte; nur leider gab es kaum Steckdosen. Die elektrische Infrastruktur war einfach noch nicht vorhanden.

 

1913 löste in den USA die erste Tankstelle einen ‚Tankstellen-Boom’ aus.

Bessere Infrastruktur, extrem billiges Benzin durch die Entdeckung immer neuer Ölquellen in Texas, die Weiterentwicklung der Verbrennungsmotoren, die Erfindung des Anlassers 1911 (Charles F. Kettering) - und schon gewöhnten sich Käufer sowohl an Lärm wie an Abgase. Und das laute Geräusch eines Verbrennungsmotors wurde ein Zeichen für Kraft, Prestige und Fortschritt.

 

Dann beginnt Henry Fords Massenproduktion von Verbrennungsautos mit Preisen von ca. 500$ bis 1000$.
Elektroautos kosteten mindestens 1.750$.

 

Das am längsten gebauten Elektroauto ist der ‚Detroit’ 19071938.

 

Stagnation, Hoffnungen und Heiße Luft
1940 – 1990

Elektroautos werden weltweit noch hier und da gebaut. Wegen der Benzinknappheit während des 2. Weltkriegs wird z.b. der von 1943 bis 1946 in Lyon (Frankreich) produzierte ‚Électro-Renard’ populär. In Japan gab es die von 1947 bis 1949 gebaute ‚Tamas’, ein zweitüriges Elektroautos. Auch in der damaligen UdSSR wurde um diese Zeit mit Elektrofahrzeugen experimentiert. Zwischen 1948 und 1950 gab es verschiedene Klein-Lkws, zwischen 1949 und 1953 wurden Versuche mit dem E-Mobil 1974 und 1980 sollen sogar rund 60 verschiedene Typen entwickelt worden sein. ‚LAS-NAMI’ angestellt, und zwischen
In Europa, USA, Japan finden sich durch die nächsten Jahrzehnten hindurch überall vereinzelt neue Modelle, Kleinst-Serien von 12 – 120 Stück. und immer wieder Prototypen, die aber nie in Serie gebaut werden.
1970 Elektro-Trabbi von Dr. D.Schulze, Ober-Ing. F.Wey und Dipl.-Ing. W.Wey.

Was tut sich 1973 nach der Ölkrise und den ersten autofreien Sonntagen?

Die Bundesregierung gibt 1974 – 1988 für Elektrofahrzeuge und für die Batterieentwicklung 146 Mio. DM aus. Allerdings konstatiert das Bundesministerium für Forschung und Technologie 1988, dass trotzdem „keine nennenswerte Marktdurch-dringung zu erwarten“ sei.
1984 taucht der Begriff „Umweltauto“ auf.
1985 findet die 1. Tour de Sol statt, 1987 die World Solar Challenge.
Einzelne Entwickler, kleine Firmen, Hochschulen stecken jahrzehntelang unglaublich viel Zeit, Energie und Geld in die Entwicklung sparsamer Elektrofahrzeuge mit nachhaltiger Energieversorgung.
In den 80ern wird die endlose Reihe von Prototypen, Modelle, Studien, concept cars langsam immer unübersichtlicher. Kleine Firmen gehen oft mangels Finanzkraft in Konkurs und für viele findet sich erst gar kein Geldgeber für die Produktion in einem Umfang, der so ein Fahrzeug bezahlbar macht.

 

Die letzten 30 Jahre
1990 - 2020

„In den vergangenen 20 Jahren hat es der VW-Konzern auf rund 300 Öko-Prototypen gebracht, Mercedes auf 250. Nachhaltige Wirkung hatte das aber in erster Linie auf die Steuerzahler – denn die meisten dieser teuren Projekte wurden öffentlich gefördert.“, schreibt Achmed A. W. Khammas im "Buch der Synergie".
Von 1973 bis 2009 stieg der Rohölpreis von ca. 7 $ auf ca. 80 $ pro Barrel. Trotzdem stieg die Zahl der in Deutschland zugelassenen Kfz von 21,9 Mio. auf 49,3 Mio. (Im Winter 2007/08 stand Öl zwischenzeitlich bereits auf über 140 $)
Spätestens seit der Ölkrise Mitte der 70er ist deutlich, dass ein Ersatz für weite Teile des Mineralölverbrauchs gefunden werden muss.
Die Autokonzerne sind nur scheinbar interessiert. Im Resultat betreiben sie Verhinderungspolitik. 1993 kommt das „3-Liter-Auto“: Greenpeace erbringt den Beweis, dass es mit dem SmILE machbar ist, einem umgebauten Renault Twingo.
Die Industrie baut zwar immer effizientere Motoren, deren Effizienzsteigerung jedoch durch höhere Leistung und mehr Gewicht nicht zu namhaften Einsparungen führt. Elektromobilität bleibt weiterhin außerhalb des Blickfeldes. Ausnahme:
1996 bietet GM in den USA das zweisitzige Elektrocoupé ‚EV 1’ (Electric Vehicle 1) mit 500 kg Blei-Säure-Batterien zu einem Leasing-Preis von rund 50.000 DM für drei Jahre an (4,31 m Länge, Spitze 130 km/h, 1.350 kg, 102 kW/137 PS Leistung, Reichweite 110 – 140 km, Ladezeit 3,5 h).
Bis 1997 werden in Kalifornien 176 Stück verleast, trotz massiven Kundeninteresses werden die Verträge jedoch nicht verlängert und die Fahrzeuge eingezogen („who killed the electric car“, ARD-bericht „Strom im Tank“, 30.09.2009). Wollen sie an Patenten rund um den Verbrennungsmotor so lange wie möglich verdienen?(ARD). Ein Einstieg in Batterietechnik erfordert neues know-how, Umstrukturierungen und anderen Fachkräftebedarf.
1996 geht das TWIKE, ein dreirädriges, zweisitziges Leichtmobil mit Elektro- und Pedalantrieb, in Kleinserie. Bis heute wurden knapp 1.000 Stück gebaut. Aufgrund von Bauart und Preis bleibt es aber ein Idealisten-Fahrzeug. Leichtbauweise und Batterietechnik sind jedoch wegweisend.

 

Heute - eine Einschätzung

In den 1990ern wird Klimawandel zum Begriff. Nach 2000 dringt die CO2-Problematik ins breite öffentliche Bewusstsein.
Genau 40 Jahre nach der Ölkrise wird nach schadstoffbezogenen Kraftfahrzeugsteuergesetzen endlich ab 2013 die CO2-basierte Kfz-Steuer für alle Pkw gelten.
1999 die Großen verabschieden sich bis auf Weiteres auch vom Hybridsystem und setzen zunehmend auf Brennstoffzellen-Technologie.
2000 „das Ein-Liter-Auto“ wird zum neuen Stichwort. Aber der Lupo schafft es nicht. Warum eigentlich nicht?? (who killed the lupo?) Stattdessen geht der Trend zum SUV und Hummer.
Biodiesel flopt. In Deutschland mangelt es weiterhin an politischem Druck.

2004 Die ersten Elektro Motorroller sind auf deutschen Straßen zu sehen- damals noch ein Kuriosum.
2009 im August erscheint zwar ein Nationaler-Entwicklungsplan-Elektromobilität-der-Bundesregierung (500 Mio. Förderprogramm) und geht von 100.000 Elektrofahrzeugen bis 2020 aus. Aber alles entwickelt sich sehr schleppend...

2019 Der Dieselskandal ist in vollem Gange, Fahrverbote sind in Kraft, Innenstädte werden entdieselt. Volvo (Geely) setzt als erster Hersteller eine 100%ige Umstellung (außer Tesla natürlich) auf Elektro-Antrieb um und liefert in Bälde ausschließlich Elektroantriebe. Es kommt Bewegung in den Markt.

Die Bundesregierung verabschiedet die Zulassung der zur Zeit meistdiskutierten Fortbewegungsmittel: E Scooter mit Straßenzulassung. Fluch und Segen, Nutzen und Plage- Gegensätze, die aber in diesem Fall sehr eng beieinander liegen. Aber eines ist sicher: Sie machen unendlich viel Spaß!

2020 ...und alles steht still. Die Corona-Kriese bremst erstmal alles aus. Elektroroller-Fahrer können glücklicherweise keine Hamsterkäufe tätigen, denn unterm Sitz sind bereits die Akkus... Alles hat seine Vorteile. Dafür können wir in Zeiten der Kontaktbeschränkung alleine durch die leeren Straßen cruisen, um dem Lager-Koller entgegenzuwirken. Haltet durch...!!!

 

Wie immer eine Frage der Zeit:  Welcome to the future!